Atelierporträt
ÖZLEM TURAN
Lebensentwurf Modedesign
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Özlem Turan
Geboren_1992 in Wien
Macht_Mode_Schwerpunkt aktuell: Brautkleid-Personalierung
Ziel_internationaler Durchbruch
Antrieb_Kindheitstraum Designerin
Wünscht sich für ihr Biz_nächster Sprung_das eigene Label
Mag am Werksalon_die Kolleg*innen_ Zusammenarbeit_angenehmen Vibes_das all-inclusive betriebswirtschaftliche Coaching
Im Werksalon seit_2015
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Lebensentwurf Modedesign
Ein „Mädchentraum“ knallt auf den Boden der Realität. Wandelt seine Form. Wird erwachsen. Hebt erneut ab. Özlem bahnt sich ihren Weg durch die Welt der Mode. International. Vielseitig. Individuell. Ihre kreative Liebe zum Feinen ist verwoben mit handwerklichem Pragmatismus. Der Drang nach Selbstbestimmung führt sie in die Selbständigkeit, wo die Unternehmerin ‚Prinzessinnen‘ formt. Die erfahrene Nadel näht einen Hauch von Spitze ans Brautkleid. Die Gedanken entwerfen eine eigene Kollektion. Özlems erste.
Wien. London. Istanbul.
Niemand drapiert Stoffe an Barbie-Puppen mit größerer Begeisterung. Dass sie Mode machen will, weiß Özlem seit dem Kindergarten. Verfolgt ihren Weg mit kämpferischer Zielstrebigkeit. Inklusive Abzweigungen und Nachjustierungen. Meine Mama wollte ja, dass ich Juristin werde. Ich ging aber nach der Matura nach Istanbul, um Modedesign zu studieren. Die Modeschule Michelbeuern und die Summerschool am Londoner Central Saint Martins College of Art & Design sind da bereits vollbracht. St. Martins war mein Traum! Ich war dort die Jüngste. Nachsatz: Wohl auch ein bisschen zu jung, um das Potenzial dieses Aufenthalts voll zu realisieren. Istanbul ist total neues Pflaster für Özlem aus Wien. Sie verbessert die Familiensprache Türkisch, bereitet ihr Portfolio vor ( = die Bewerbungsmappe mit Skizzen und Entwürfen). Inskribiert. Das Fach Modedesign kooperiert mit dem New York Fashion Institute of Technology und ist an der Maschinenfakultät der Istanbuler TU angesiedelt. Das ist dann auch die Krux: Viel zu technisch. Viel zu wenig Zeichnen und Kreatives! entscheidet Özlem nach 2 Jahren. Schärft nochmals den Fokus nach der besten Ausbildungsmöglichkeit am Weg zur Fashion Designerin.
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Royal Antwerpen macht hungrig
Der ausgezeichnete Ruf der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen ereilt Özlem. Ich entscheide mich nach den Alumni: Welche erfolgreichen Designer*innen hat die Uni vorzuweisen? Antwerpen war führend. So international! Also bewerben, 3 Tage Aufnahmeprüfung durchstehen, genommen werden. Und darüber schockiert sein. Die anderen schienen mir so viel kreativer. Es wurde mega cool. Und mega anstrengend. Die Vorbereitung auf die Modewelt ist harte Schule. Der Umgangston mitunter sehr rau. Kaum Schlaf wegen der Projekt-Abgabendichte. Kaum Geld, nicht mal richtig fürs Essen, wegen der hohen Materialkosten. Özlems Energiepegel sinkt, familiäre Komm-nach-Hause-Rufe werden lauter. Die knapp 20jährige überdenkt ihren Weg abermals und besteigt den Zug nach Wien.
Von Brotjobs, Atelier-Findung und der Vision der Unabhängigkeit
Was als kurze Verschnaufpause vom Studieren gedacht ist, entpuppt sich als Hineingleiten in die Arbeitswelt. Und sukzessive ins Unternehmerinnentum. 2015 mietet Özlem ihren eigenen Atelierplatz samt Anproberaum für Kundinnen im Werksalon. Wie findet sie ihn? Fast nicht – öffentlich von Meidling kommend. Die Anfahrt beim Erstbesuch war furchtbar. Niemals nach Stadlau! Dachte ich nach 2 Stunden Verfahren. Ich wollte schon umdrehen. Es war dann extrem sympathisch. Und nicht teuer. Ich zog sofort ein. Kurz vor dem 22. Geburtstag meldet Özlem ihr Gewerbe an: Designerin. Absolviert die Meisterklasse Herbststraße neben Teilzeitselbständigkeit und textilen Brotjobs. Mit dem Meisterbrief kann sie ihr Gewerbe upgraden: zur Damenkleidermacherin.
Betriebswirtschaft ist werksalonfähig
Für mich ist der Werksalon weit mehr als ein Arbeitsort. Antoinette (Anm.: Werksalon Co-Mitgründerin und WU-Absolventin) unterstützt mich seit Anbeginn mit betriebswirtschaftlichem Knowhow. Das kostet nichts extra! Bis heute machen wir die Buchhaltung gemeinsam und ich erspare mir die Steuerberatung. Mehr noch, Antoinette hat mir immer motivierend die Möglichkeiten der Selbstständigkeit aufgezeigt. Egal, was sich bei mir getan hat, der Werksalon ist mein stabile Basis, die mich auffängt. Helfend, fürsorglich, menschlich. Als Unternehmerin erlebt Özlem Ups & Downs. Die Richtung passt aber. Meilensteine sind die Registrierkasse. Corona, natürlich: die Welt trägt Jogginghose, Kleidermacherinnen kreieren derweil Stoffmasken, die wirklich passen, und optimieren im Hintergrund die betrieblichen Strukturen. Die Aufnahme der ersten Praktikantin. Ihr Learning aus dem Gründungsprozess? Wirklich alle Arbeitsstunden verrechnen und nicht vorauseilend herschenken!
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Alltags-Couture. Passt.
Are you a fashion designer? You look like one. Wird Özlem in der U-Bahn gefragt. Einfach so. Sie strahlt es wohl aus. Der Kindheitstraum ist lebendig. Mehr noch. Ist ein Ziel. 2024 will die umtriebige Schneidermeisterin ihre erste eigene Kollektion entwerfen. Eine kleine Kollektion. Einmal pro Jahr. Auf Maß bestellbar. Schön und bequem zugleich. Für jede Figur und jedes Bedürfnis. Mehrere Saisonen pro Jahr – wer braucht das? Das macht die Mode falsch aus meiner Sicht. Ich setze auf die Passform, den perfekten Sitz, gutes Material – sauber verarbeitet. Adaptierbarkeit! Es gibt ja verschiedene Phasen im Leben. Und gute Kleidung sollen lange begleiten. Meine jedenfalls. Das ist auch günstiger als schnelllebige Konfektionsware, die man vielleicht auch noch ändern muss.
Kooperation hat Hochsaison im Werksalon
Als gelernte Schneiderin hilft Atelier-Kollegin „Anke von der Strickmaschine“ bei Arbeitsspitzen. Beruhigend! Zu den Experimenten von Bio-Materialistin Sandra steuert Özlem ihre textil-handwerkliche Expertise bei. Diese Forschung interessiert mich sehr! Ich hatte ja kurz Chemie studiert, vor der Meisterklasse. Markeninszenierer Thomas braucht für manch Projekt textile Machbarkeitsstudien. Kurzum: Wer jahrelang im Atelier Tischnachbar*in ist, lernt sich kennen und die vielfältigen Kompetenzen schätzen. Nutzt sie gerne, wenn es passt. Ich mag unsere Community. Arbeite ja oft auch am Wochenende. Aber nie komme ich gedanklich „zur Arbeit“, sondern immer „in den Werksalon“. Das fühlt sich gut und richtig an.
Kontakt:
Özlem Turan
Mail: atelier@turan-atelier.com
Mobil: +436645039493
Web: https://www.turan-atelier.at/
Dieses Portraits ist im Jahr 2023 in Zusammenarbeit mit zwei weiteren wunderbaren Werksalon Kolleg*innen entstanden. Gespräche geführt, Fragen gestellt und in Worte gefasst, wurde all das von Barbara Windisch https://www.funkelrot.com. Ins Licht gerückt und bildlich eingefangen hat Foto- und Videograf Zeia Rahimi https://www.gurgpro.com




